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10.Oktober 2014 Nr. 26

Zum voraussichtlichen Aus für das Desertec Wüstenstromprojekt:

Aktion 3.Welt Saar begrüßt das Aus – Desertec ist ein kolonialistisches Projekt – Die Bevölkerung war immer außen vor

Energie sollte dezentral produziert werden

Wenn am kommenden Montag das vorrausichtliche Ende der Planungsgesellschaft für das Sahara-Wüstenstromprojekt Desertec beschlossen wird, ist dies leider nicht der Einsicht geschuldet, dass Energie besser dezentral produziert werden sollte. Grund der Aufgabe des 2009 gestarteten Projektes sind die mit dem arabischen Frühling verbundenen politischen Unsicherheiten für Energiekonzerne. Hinzu kommt, dass in Europa Strom im Überfluss vorhanden ist: Zum einen durch regenerative Energien und zum anderen durch den Preisverfall der CO2 Verschmutzungszertifkate. Dadurch ist der Betrieb von Kohlekraftwerken lukrativ.

„Dennoch begrüße ich das Aus für Desertec. Ein solch gigantisches Projekt, das 15% des in Europa benötigten Stroms in den nordafrikanischen Ländern mit solarthermischen Kraftwerken produzieren sollte, dient letztendlich nur der Aufrechterhaltung des Erzeugermonopols von Energie der großen Energiekonzerne wie RWE, Eon oder Siemens“, so Ingrid Röder von der Aktion 3.Welt Saar. Eon und Siemens sind schon vor einiger Zeit aus Desertec ausgestiegen. „Desertec war von Anfang an ein kolonialistisches Projekt über die Köpfe der Menschen vor Ort hinweg.“, so Röder. Die Bevölkerung vor Ort in den Wüstenregionen in Nordafrika, wie durchziehende Nomaden ohne eigenes Landrecht oder die Bewohner des von Marokko besetzten Gebietes der Westsahara, spielten bei den Entscheidungen für Bau und Nutzung der Solarkraftwerke keine Rolle und sollten auch nicht an der Wertschöpfung der Anlagen teilnehmen.

Mit dem Desertec Projekt verfolgten die großen Energiekonzerne das Ziel, ihre Monopolstellung bei Kohle und Atomstrom in ein Monopol auf Sonne, Windenergie und Biogas überzuführen. Denn bei energieautarken Stadtwerken oder Bürgerkraftwerken, wie sie zur Zeit bundesweit entstehen, entfällt kein Profit für die großen Energiekonzerne. Dass nun kein Interesse mehr an der Weiterführung des Desertec Projektes besteht, ist nicht der Einsicht geschuldet, dass Energie dezentral und vor Ort produziert werden sollte. Für die Desertec-Finanziers Deutsche Bank oder RWE ist es schlicht nicht mehr rentabel in eine politisch unsichere Region zu investieren, während gleichzeitig Deutschland trotz Abschaltung von 8 AKW’s mehr Strom als je zuvor exportiert.

Hintergrundinformation:

Die Aktion 3.Welt Saar ist eine allgemeinpolitische Organisation, die bundesweit arbeitet. Ihren Sitz hat sie im Saarland. Sie engagiert sich seit 1982 für regenerative Energien und gegen Atomkraft. Zuletzt war sie am 27.9. in Metz Mitveranstalterin der Demonstration gegen Cattenom und das geplante Atommüllendlager Bure/Lothringen. 2012 publizierte sie mit der „Arbeitsgemeinschaft bäuerliche Landwirtschaft“ die vierseitige Flugschrift „Agrotreibstoffe – E10 weder öko noch fair. Warum Energie dezentral produziert werden soll“: www.goo.gl/wrkTn

Einer der profiliertesten Desertec-Kritiker war der 2010 verstorbene Hermann Scheer (SPD, MdB, Vorsitzender Euro-Solar).

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