Datei:2002-12-27 (74) Brot statt Böller.PDF: Unterschied zwischen den Versionen

Aus Archiv der Aktion 3.Welt Saar
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Roland Röder
 
Roland Röder
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Aktuelle Version vom 23. Dezember 2018, 16:00 Uhr

Nr. 74 / 27. Dezember 2002

„Brot statt Böller“ Appell einstellen. Lustfeindlichkeit und schlechtes Gewissen helfen nicht gegen Hunger. Kann denn Feiern Sünde sein?

Die AKTION 3.WELT Saar fordert Hilfsorganisationen auf, den Appell „Brot statt Böller“ zurückzuziehen. Der damit unterstellte Zusammenhang zwischen dem Sylvesterfeuerwerk sowie Hunger und Armut in der Welt ist beliebig gewählt und existiert nicht. Genauso gut könnte man dazu aufrufen, keine Weihnachtsbäume, Handys oder Computer zu kaufen. Der Einsatz für Gerechtigkeit und Solidarität führt ins Leere, wenn er mit einer Leidensmine und dem moralischen Zeigefinger einher geht.

Mit dieser zur Schau getragenen Lustfeindlichkeit wird politischer Flurschaden angerichtet. Zum Wesen des Menschen gehört auch in allen Kulturen das Feiern, der Rausch, die Verausgabung – für manche auch die Freude am Sylvesterfeuerwerk. Der Aufruf „Brot statt Böller“ erzeugt nach Ansicht der AKTION 3.WELT Saar ein schlechtes Gewissen, das für Zuwachs in der Spendenkasse sorgen soll.

Um Hunger zu bekämpfen ist eine andere Agrarpolitik nötig, vor allem eine Abkehr von der viel gepriesenen Liberalisierung des Welthandels. Häufig werden in Ländern der sogenannten 3.Welt auf besten Böden Futtermittel für die Industrieländer angebaut; zum Beispiel Soja in Brasilien. Aktuell beansprucht Europa 120.000 qkm landwirtschaftliche Anbaufläche im Ausland; davon allein 60.000 qkm für Sojaanbau. Subventionierte Agrarexporte aus Europa - vor allem Milch und Fleisch – sorgen dafür, dass Märkte in den 3.Welt-Ländern zusammenbrechen. Die EU-Subventionen für Agrarexporte müssen wegfallen. Sonst können ökonomisch schwache Länder der 3. Welt auf dem Agrarsektor nicht mit der Europäischen Union konkurrieren. Zudem nehmen die Industrieländer genetische Ressourcen der südlichen Länder in Besitz und verkaufen sie gewinnbringend als Patente. Heute werden weltweit genügend Nahrungsmittel produziert, so dass niemand hungern müßte. Dass Menschen hungern, liegt an der Verteilung und an der Verwendung von Nahrungsmitteln als Viehfutter. Hunger ist kein Schicksal, sondern wird gemacht. Weitere Informationen inclusive Buchliste kostenlos gegen Rückporto (1,12 €): AKTION 3.WELT Saar: Weiskirchener Str. 24, 66679 Losheim am See, Tel 06872 / 9930-56, Fax – 57, e-mail: a3wsaar@t-online.de

Roland Röder

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